Roadtrip 2021, Etappe 2: Zimmer mit Ausblick am Vierwaldstättersee

Die Autobahn ist voller Schlamm und Blätter kurz bevor wir in den Ort mit dem schönen Namen „Küssnacht“ abbiegen. Äußerst merkwürdig, fast als hätte es hier, ähnlich wie in der Pfalz, auch größere Überschwemmungen gegeben. Unten im Ort ist sogar eine Straße gesperrt. Was hier passiert ist, wird sich uns aber erst im späteren Verlauf unseres Aufenthalts erklären. 

Als Erstes fahren wir diesmal unsere Unterkunft an. Und diese hat einen so wunderschönen Blick über den Vierwaldstättersee, dass wir sie an diesen Abend nur noch zum Essen gehen wieder verlassen werden. Die Privatunterkunft von Susanne und Daniel haben wir auch auf AirBNB gefunden und sind begeistert. Das Haus ist eine moderne Mischung aus Beton und Holz, mit versteckten Türen, verschiedenen verschachtelten Ebenen und einer wundervollen Kaffeemaschine, auf die Jens und ich uns nach der langen Fahrt sofort stürzen. Während die Kinder unser Viererzimmer mit Hochbett und das restliche Haus unsicher machen, sitzen wir auf der Terrasse mit dem unglaublichen Rundumblick.

Das Abendessen nehmen wir in einem kleinen Restaurant direkt unten am See ein, das sich bergab fußläufig erreichen lässt. Wir essen Schnitzel und schlendern noch etwas über den kleinen Steg an der Restaurantterrasse. Wie schon beim Abendessen am Vortag fängt es leicht an zu regnen, aber wir sitzen unter einer kleinen Überdachung und sind geschützt. Die Kinder aber tanzen durch den Regen. Wie entspannend nach der Fahrt von Heidelberg bis in die Schweiz. 

Der Aufstieg zurück auf den Berg zu unserer Unterkunft fällt uns dann - vollgefressen und etwas müde - doch etwas schwer. Aber wir ziehen uns gegenseitig und freuen uns auf Wein mit Ausblick. Susanne und Daniel sind gerade mit anderen Gästen in der Küche als wir auf die Terrasse wollen, kochen und essen gemeinsam. Ich biete der gesamten Runde unseren Heidelberger Kuchen aus dem Café Gundel an und wir unterhalten uns mit einem Gast darüber, wie rot einer der Berge in der Abendsonne leuchtet. „Fast wie der Ayers Rock in Australien“, meint er und er hat durchaus Recht. In meinem Bauch macht sich so etwas wie Heimweh breit, wenn ich an Australien (siehe hier im Blog) denke. Das war auch eine schöne Episode in meinem Leben, die sich in vielen Geschichten hier in meinem Blog wiederfindet.

Daniel hört die Gespräche über den Blick und die Diskussion, ob die Schweizer Flagge, die am Berg an einer Steilwand prangt, aufgemalt und aufgehängt ist, mit und verschwindet plötzlich hinter einer der „geheimen“ Türen. Durch eine weitere Terrassentür erscheint er kurz darauf mit einem Teleskop wieder bei uns. Die Kinder sind begeistert und finden sofort heraus, dass die Flagge aufgehängt ist, wie Mia vermutet hat und nicht wie Mads dachte, aufgemalt. 

Ich finde durch das Teleskop heraus, dass genau gegenüber von uns Beckenried liegt, der Ort mit dem kleinen Strandbad, in dem wir vor zwei Jahren mit dem Bulli spontan Pause gemacht haben, als wir vom Lago Maggiore auf dem Rückweg nach Deutschland waren (siehe hier im Blog). Wir hatten den Vierwaldstättersee von der Autobahn aus gesehen und bei 38°C im Schatten hatte er so einladend erschienen, dass wir quasi mit quietschenden Reifen sofort abgefahren sind.  Damals war schon klar, dass wir auf jeden Fall noch einmal hierher kommen wollen. Und da sind wir nun wieder und es ist noch schöner, als beim letzten Mal. Ich liebe diese Dynamik in privaten Unterkünften. Man kommt mit den Leuten ins Gespräch und in welchem Hotel hätte bitte jemand plötzlich ein Teleskop hervorgezaubert? 

Der andere Gast aus der Schweiz lässt uns dann wissen, dass wir Glück hatten, dass wir erst am späten Nachmittag in Küssnacht angekommen sind. Er war mit seiner Frau und dem kleinen Sohn mittags mit dem Auto im Ort unterwegs, als ein kleines Unwetter aufzog und sein Auto plötzlich komplett im Wasser stand. Nach all den Ereignissen der letzten Wochen, sagte er, sei es ein wirklich beklemmendes Gefühl gewesen, wenn man mit dem Auto auf der Straße unterwegs ist und um einen herum das Wasser mehr und mehr ansteigt. Und dann sei es plötzlich vorbei gewesen. Eine verrückte Welt ist das aktuell!

Das Wetter bringt am nächsten Morgen nach dem Frühstück nur ca. 20°C und leichte Bewölkung hervor, aber wir wollen zumindest einmal im Vierwaldstättersee geschwommen sein, bevor wir weiterziehen. Daniel hatte uns angeboten mit Susanne um kurz vor 7Uhr mit an die Badestelle zu fahren, aber wir haben dankend abgelehnt und bis 9Uhr tief und fest geschlafen. Auschecken müssen wir erst um 12Uhr, daher beschließen wir nach dem Frühstück in den See zu springen. Also laufen wir, mit Handtüchern bewaffnet, den Berg hinunter und springen am Hafen direkt vom Steg ins Wasser. Mads ist es zu kalt, aber er erfreut uns mit seiner neuen Liebe zur Spiegelreflexkamera und schießt unzählige Fotos von uns, dem Badevergnügen und den umliegenden Bergen. Darüber, dass er auch ein Foto von Papas Popo in Badehose gemacht hat, kriegt er sich vor lachend gar nicht mehr ein. Aber mal abgesehen von diesem - äh, interessanten - Foto ist er nicht untalentiert, der Kleine! Der See ist kalt, aber erfrischend. Wir sind sofort wach, planschen eine gefühlte Ewigkeit und wollen eigentlich auch gar nicht mehr raus aus dem Wasser. Aber die Zeit drängt, wir müssen auschecken (natürlich wie immer kurz vor knapp) und unsere dritte Etappe Richtung Frankreich antreten. 

Diesmal werden wir in einem Baumhaus schlafen, die dritte unserer besonderen Unterkünfte in diesem Sommer. Hoffen wir mal, dass wir mit unseren Impfzertifikaten und den Testergebnissen der Kinder unkompliziert über die nächste Grenze kommen…

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