Drei "Erdmännchen" in Bremen

Ich weiß gar nicht, wann wir drei das letzte Mal ganz ohne weitere Begleitung unterwegs waren. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, was aber umso mehr zeigt, wie nötig es war, dass Jasmina, Julia und ich diesen Mädels-Wochenend-Trip einlegten. 

Wir hatten Jasmina zum runden Geburtstag einen Städtetrip geschenkt und saßen vor ein paar Wochen rätselnd im Restaurant Zur Linde in Todenmann. Welche deutsche Stadt machte in dieser verflixten Coronazeit Sinn? Wo waren die RKI Werte hoch, wo ging es? Was liegt in der Nähe? - Lange Rede, kurzer Sinn: Die Wahl fiel schließlich auf die beschauliche Hansestadt Bremen. 


Wenn es aufgrund der Lage schon nicht in eine wirkliche Großstadt gehen konnte, wie ursprünglich geplant, so wollten wir uns aber etwas Besonderes gönnen. Also buchte ich für uns drei eine Juniorsuite im Parkhotel Bremen, das ganz idyllisch im Bürgerpark an einem kleinen, angelegten See liegt. Das Parkhotel ist etwas in die Jahre gekommen, wird aber gerade renoviert und hatte besondere Angebote für Spontanbucher wie uns.

Beim Checkin gab es eine schlechte und eine gute Nachricht für uns drei. Unser Zimmer war zwar noch nicht bezugsfertig, aber man hatte uns aufgrund der vielen Buchungen an diesem Wochenende ein Upgrade gegeben und uns würde ein "noch etwas größeres Zimmer" erwarten. Darauf stießen wir auf dem Weg in die Innenstadt erst einmal mit einem kleinen Prosecco an und freuten uns wie kleine Mädchen auf das, was uns später erwarten würde. Erst einmal waren wir aber hungrig und entdeckten auf dem Weg zur Fußgängerzone plötzlich mitten in der Stadt eine Windmühle in einem kleinen Park. Für Julia als "Windmühlen-Bloggerin" (jeder hat so seine Nische...) war dies natürlich ein ganz besonderes Highlight (haha). Da saßen wir also am Fuß der Windmühle in einem kleinen Restaurant und bestellten riesige Teller mit Pasta. Endlich hatten wir mal wieder Zeit für uns und tranken entspannt Lillet Berry zum ausgedehnten Update der letzten Wochen. 


Bremen ist ein hübsches Städtchen. Ich hatte es gar nicht mehr so in Erinnerung, aber gerade die Innenstadt mit den zahlreichen Fachwerk- und Backsteinhäuschen und deren aufwendig gestalteten Fassaden ist wirklich bezaubernd. Auf dem Marktplatz war gerade anscheinend Wochenmarkt und zudem hatten Schausteller mehrere Buden und Fahrgeschäfte aufgestellt. Den großen Marktplatz passierten wir an diesem Wochenende mehrfach und aus jeglicher möglichen Richtung, was sicherlich an leicht mangelnder Orientierung lag. Und natürlich auch daran, dass die Bremer Stadtmusikanten, die man ja nun gesehen haben muss, auch etwas versteckt liegen. Ich weiß noch, dass ich bei meinem letzten Besuch etwas enttäuscht davon war, wie klein sie doch sind. Man erwartet sie irgendwie größer und präsenter auf einem großen Platz. Allerdings befinden sie sich in der Nähe des Marktplatzes doch etwas versteckt an einer Ecke. Das Einzige, das sofort darauf hindeutet, dass hier etwas Besonderes zu finden ist, sind die zahlreichen erhobenen Handys in einer kleinen Menschentraube. Also bitte haltet bei eurem ersten Bremen Besuch danach Ausschau, dann findet ihr die Bremer Stadtmusikanten auch.

Mein persönliches Highlight in Bremen war die bekannte Böttcherstraße, eine kleine verwinkelte Gasse mit hübschen Backsteinhäusern und kleinen Lädchen. Sie erinnerte mich sofort an die kleinen Gassen auf der Insel Mont Saint Michel, die wir auf unserer Bulli-Tour durch die Normandie besuchten. Tatsächlich waren hier in Bremen aber weit weniger Menschen unterwegs, was in der aktuellen Zeit ganz angenehm ist. In der Böttcherstraße findet man auch eine kleine Bonbon Manufaktur, in der wir uns mit Mitbringseln eindeckten.

An der Schlachte, der Promenade an der Weser, ließen wir uns nach dem ausgiebigen Sightseeing im Außenbereich einer Cocktailbar nieder. Cocktails zu bestellen war hier allerdings eine Herausforderung. Erst kam Julia von der Theke unverrichteter Dinge wieder, da es an frühen Nachmittag anscheinend noch keine Mochitos gab. Dann suchten wir uns andere Cocktails aus und wunderten uns, dass sie ewig nicht wieder an den Tisch zurück kam. Anscheinend hatte man sie von der Außen-Theke in das Lokal geschickt, wo es dann eine Diskussion gab, weil unser Platz anscheinend zu weit vom Innenbereich weg war und dort wohl erst in einer Stunde bestellt werden konnte. Es war kompliziert, aber schießlich kam sie uns erleichtert mit drei Gläsern entgegen. Wir mussten doch Jasminas Geburtstag noch ausgiebig feiern.


Das führte allerdings dazu, dass wir - zurück im Hotel - die Contenance wahren mussten. Augenblicklich beim Betreten des Foyers hatten wir aufgrund seiner Opulenz das Gefühl uns benehmen zu müssen. Schlecht ist allerdings, wenn aufgrund eines Insiders zwei von dreien automatisch losprusten müssen, wenn das Wort "Contenance" fällt. Und dann war unser Zimmer leider noch immer nicht fertig. Wir wurden vom Hotel auf ein Getränk eingeladen, das wir im Kuppelsaal zu uns nahmen und bemühten uns möglichst leise zu sprechen. Im Kuppelsaal mit Blick auf den See war es mucksmäuschenstill und trotz unserer Bemühungen waren wir sicherlich die lautesten der anwesenden Gäste. 

Das am Vormittag versprochene Upgrade stellte sich als die "Signature Suite" heraus, die zweitgrößte Suite des Hauses. Sie gehörte anscheinend zum noch nicht renovierten Teil des Gebäudes, war aber sehr sehr geräumig mit einem großen Schlaf- und einem noch größeren Wohnzimmer. Wir hatten sogar einen kleinen Balkon mit Blick auf den See und Julia nahm dies zum Anlass den vorbeigehenden Spaziergängern ihre Aufwartung zu machen. Jasmina saß derweil am Biedermeier-Schreibtisch und schrieb ihrem "Liebsten" einen schönen Brief. Ich hatte Jasminas Geburtstag bei der Buchung erwähnt, so dass man uns netterweise auch eine Flasche Sekt und eine Karte bereitgestellt hatte. Allerdings wurde mir auf der Karte zum runden Geburtstag gratuliert, was mich anmerken ließ, dass da sicherlich nur der 30ste gemeint sein könnte. Den Sekt nahmen wir dennoch dankend zu uns.

Unser Zimmer war am Ende des "Ostflügels" (oh mann, wie dekadent das klingt), also machten wir uns in unseren Bademänteln auf und irrten durch das Hotel bis wir schließlich das Spa fanden. Auf dem Weg dorthin waren mehrere große Spiegel mit goldenen Rahmen aufgestellt, die wir allesamt nutzten, um lustige Fotos in unseren Bademänteln zu machen ("Wir sehen aus wie drei Erdmännchen!"). Wenn es mir zukünftig mal schlecht geht, muss ich mir wohl nur diese "Erdmännchen-Fotos" ansehen und es wird mir schlagartig besser gehen. Natürlich führte unser weiterer Weg dann auch noch über die Empore des Kuppelsaals, also war nach den lustigen Fotos wieder augenblickliche Contenance gefragt, um hier in der Stille nicht unangenehm aufzufallen. 

Aus irgendeinem Grund wurde der Saunabereich leider direkt vor unseren Augen geschlossen, obwohl wir von 22 Uhr noch weit entfernt waren. Aber wir genossen noch ein wenig den Pool und den Ruheraum mit seinen beheizten Liegen, bevor wir uns für das Abendessen schick und wieder in die Stadt auf machten. 

Am nächsten Tag stand eine Hafenrundfahrt auf unserem Programm, zu der wir nach einem ausgiebigen Frühstück aufbrachen. Hafenrundfahrten in Bremen sollte man am Wochenende unbedingt vorbuchen (geht auch telefonisch). Unser Boot war ausgebucht (was in der aktuellen Zeit aber trotzdem keine volle Belegung bedeutet). 

Neben den Industriehäfen bekommt man hier auch komplett neue Stadtteile von Bremen zu Gesicht. Viele Gebiete im Hafen sind ganz neu bebaut mit hochpreisigen Anlagen und Weserblick. Bestimmt hat man von dort einen schönen Blick (wenn man mal eben 1,5 Mio für eine Wohnung über hat). Eine Hafenrundfahrt ist auf jeden Fall eine angenehme Art, so ein Mädels-Wochenende ausklingen zu lassen. Man schippert ein bißchen herum, bekommt  vom Kapitän noch den ein oder anderen interessanten Fakt mitgegeben und kann dabei nochmal ausgiebig quatschen. Zu Fuß hatten wir an diesem Wochenende ja auch schon so einige Kilometer zurück gelegt.

Auf der Rückfahrt im Bulli beschlossen wir, dass wir uns zukünftig öfter mal kleine Events schenken werden, als schnöde Geburtstagswunschlisten abzuarbeiten. Mit Jobs, Kindern, Weiterbildungen und Hobbies ist unsere Zeit einfach immer sehr knapp. "Wir schenken uns einfach gemeinsame Zeit!", hatte Jasmina bereits auf unserem Spaziergang durch Bremen angemerkt. Und wir waren uns alle einig, dass das eine gute Idee ist.

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