HO17...oder "Die Welt zu Gast in Hessisch Oldendorf"

Es gibt zwei feste Termine, an denen Hessisch Oldendorf aus dem Winterschlaf erwacht. Neben dem jährlichen Karnevalsumzug, an dem die Stadt voll ist mit lustig gekleideten Menschen aus den nahe liegenden Regionen, gibt es ein Event, das alle vier Jahre sogar Menschen aus aller Welt in unser kleines Städtchen lockt: Das internationale VW Veteranentreffen


Alle vier Jahre werden wir ein Wochenende lang zum Zentrum von T1, T2 und Käferbesitzern, die von den entlegensten Fleckchen dieses Planeten anreisen, um dabei zu sein. Christian Grundmann und sein Vater Traugott haben dann die Stadt mit ihrem Organisationsteam in Ihrer Hand. Und es ist immer grandios! 

"Einer von uns hat ein Plakat von einem VW Treffen in Hessisch Oldendorf vor einer Toilette in Indonesien hängen sehen, da dachten wir, da müssen wir hin!", erklären uns Clifton, Udh, Monica, Terence und ihre Freunde von Live2Drive aus Malaysia. Sie sind vor Monaten los gefahren, den ganzen Weg von Malaysia bis zu uns. Nun wohnen sie bei Mirko in Fuhlen und seine Mutter Elke serviert jeden Morgen das Frühstück. "A wonderful woman", schwärmen sie. Wir kennen Elke und wissen natürlich, dass sie sich super um die Truppe kümmern wird! 


Clifton kommt aus dem Erzählen nicht mehr heraus. Wir könnten ihm ewig zuhören. Er hat sogar mal einer älteren Dame mit Rollstuhl seinen alten VW Bus über längere Zeit gegeben und er erzählt von der Charity, vom Verkaufen von T-Shirts für bedürftige Kinder. Sie sammeln auf ihrer Reise Spenden und machen Aktionen. Finden wir klasse! 

Es ist Freitag Abend und die Stadt platzt aus allen Nähten. Fahrzeugbesitzer stellen stolz ihre VWs aus, man hört alle erdenktlichen Sprachen in den Gassen und wir tauchen ein in das Vergnügen. Wir reden lange mit den lustigen, verrückten Typen von Live2Drive. Als ich nach einem Foto frage, entdecken sie meine Familie und stürmen auf meinen Onkel Bobby ein: "He looks like Robert de Niro!!!", "Can we take a picture with you?". Wir lachen uns schlapp, denn diese Ähnlichkeit haben wir bisher noch nicht ausmachen können und erklären ihnen, dass er sogar Robert heißt. Terence zeigt uns Fotos aus seiner Jugend mit Afrofrisur und erzählt mit einem Augenzwinkern, dass er eigentlich zu den "Jackson 6" gehört. Michael Jackson und Robert de Niro auf einem Foto, sowas gibt es wohl nur hier. Tausende Kilometer liegen eigentlich zwischen und aber die Kommunikation läuft vom ersten Moment an! Wir werden sogar eingeladen und Terence erklärt uns beiläuftig, dass er gern Gäste aus aller Welt bei sich hat. Das letzte mal war es ein Pärchen aus Frankreich. Das wollte eigentlich 8 Tage bleiben, blieb dann aber 8 Monate. Wir denken schon an den nächsten verrückten Familientrip...Osterferien in Malaysia? Mit einem Lokal als Guide? Klingt fantastisch!


Abends feiern wir im Stadtzentrum. Die australische Band "The Wishing Well" rockt im Rathaus-Innenhof und wir sind dabei. Der Bürgermeister gesellt sich zu uns und ich erkenne ihn erst auf den zweiten Blick ohne den obligatorischen Anzug. Im "Festival T-Shirt" schwärmt er von der Band. Später spielt ein DJ auf der "Main Stage" Kracher von Nirvana, Blur...und bei "I would walk 500 miles" dreht eine Gruppe Engländer total durch...aber im positiven Sinne! Sie springen und tanzen und wir lassen uns von der Stimmung mitreißen. Die Cocktails sind gut, die Leute lustig, der DJ gibt alles! Ich kann mich nicht erinnern in Hessisch Oldendorf auf einer öffentlichen Veranstaltung bis 3h nachts einfach nur gefeiert, getanzt und dazu auch noch englisch gesprochen zu haben.


Der nächste Tag beginnt mit einer Verhaftung. Entschuldigend erklärt Jens dem Mann in Vintage-Polizeiuniform, dass seine Frau für ein gutes Foto selbst ihren Mann einbuchten lässt. Ich verspreche ihm einen Kuchen mit Feile zu backen! Aber eigentlich bin ich hier, um die offizielle Begrüßung durch Herrn Grundmann, unseren Bürgermeister Harald Krüger und den Vorstandsvorsitzenden von VW Nutzfahrzeuge Dr. Eckhard Scholz zu sehen. Meine Freunde sagen, ich bin total gebrandet und ob ich als Groupie ein Plakat dabei habe, so aufgedreht freue ich mich. Fast wie früher beim ersten Backstreet Boys Konzert haha...

Nachmittags kommen wir mit unseren Kindern zurück. Mads ist 2 Jahre alt und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus: "Ein Käfer-Auto, ein Bulli...zwei Bullis...VIELE BULLIS!!!". Wir radeln zur Weserfähre nach Großenwieden und beobachten, wie die Schwimmwagen zu Wasser gelassen werden. Mia will unbedingt mal mit fahren, aber als eines der Fahrzeuge so rasant ins Wasser fährt, dass die Insassen triefnass wieder aussteigen, überlegt sie es sich schnell doch nochmal. Bullis überqueren auf der Fähre die Weser und wir prosten uns mit einem kühlen Bierchen zu. Ich liebe das Weserbergland, aber die bunte Mischung der Menschen aus aller Welt und ihre geteilte Liebe zu VW Oldtimern lässt mich richtig stolz werden.


Am Abend kommen wir nochmal ohne Kinder wieder und genießen nochmals das Flair in der Stadt. Die Eisdielen und Cafés sind voll, Menschen unterhalten sich auf den Straßen, der DJ ist auch wieder da, laue Abendluft. Ich fange ein Gespräch auf der Straße auf: "Ich war schon bei vielen VW Treffen, aber dieses hier ist weltweit das Beste!". Mit ziemlicher Sicherheit ein Mann der Ahnung hat ;o)...


Sonntag schauen wir aus dem Fenster und es regnet in Strömen! Die Kinder sind erst nicht allzu überzeugt davon, bei diesem Wetter raus zu gehen und wir entscheiden uns diesmal für die Anfahrt mit dem Auto. Gar nicht so einfach einen Parkplatz zu finden, wenn 45 000 Menschen die kleine Stadt invasieren. Doch nette Anwohner lassen einen sogar auf dem Hof parken, wenn man lieb fragt. Wie herzlich und nett!

Als wir ankommen, bekommen unsere neuen Freunde von Live2Drive gerade einen Award für die weiteste Anreise mit dem Auto und dürfen sich in das goldene Buch der Stadt eintragen. Wir bahnen uns unseren Weg durch die Menschenmenge. Man sollte doch meinen, dass strömender Regen einige Gäste abhalten sollte, herzukommen, aber die Stadt ist wieder voll von VW Begeisterten. Wir haben uns mit Jens Eltern verabredet, die schon aufgeregt auf uns zu stürmen: "Wir haben uns mit einem Mann aus Honolulu unterhalten. Er fand es hier 'wonderful'! Aus Honolulu, Ines!!!". Ein Blick auf die Weltkarte vor dem Registrierungsbüro von HO17 zeigt deutlich, aus wie vielen Ecken der Welt die Menschen hierher gekommen sind. Wahnsinn! Und es wird ja wahrscheinlich auch nicht jeder einen Pin gesetzt haben. 


So viele Nationen, Fahrzeuge, Emotionen. Mein Schwiegervater schwelgt in Erinnerungen an seinen alten Käfer. Mein Vater erzählt, wie er einen verunfallten Käfer einmal in der Mitte auseinander geflext und mit einem zweiten Käfer vom Schrottplatz wieder zusammen geschweißt hat. "Der fuhr wieder wie eine Eins!"...und verkauft hat er ihn auch noch zum guten Preis, der Fuchs! 


Am Montag Abend wird in kleiner Runde zum Abschluss bei Mirko zuhause Malayisch gekocht. Mia ist mitgekommen und flitzt mit den anderen Kindern um die Bullis. Fernando spielt "Hotel California" auf der Gitarre, Clifton zeigt uns seinen Hula-Hüftschwung und Monica und ich stellen fest, dass wir in Sydney im Stadtteil Balmain mal nur eine Straße voneinander entfernt gewohnt haben. Bob kommt auch aus Australien und hat denselben Nachnamen wie ein Bekannter von mir. Beide kommen aus Melbourne und sein Bruder heißt sogar mit Vornamen wie mein Bekannter. Scheint aber nicht derselbe Peter zu sein. Das wäre auch zu verrückt gewesen! Wir lachen, essen Lamm und Elke gibt uns einen Englischkurs. Schade, dass das schöne Hippie-Leben nun erstmal wieder vorbei ist, denke ich, als ich  mit Mia wieder nach Hause radel.

Bis in vier Jahren, meine Lieben! Wir werden auf jeden Fall wieder mit dabei sein!

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